Köllefornia

ok, eigentlich war es die Eifel. Aber der Eifeler denkt ja eh, er wäre Kölner. Und ich als Kölner war immerhin bei einem Kölner zu Besuch. Nur eben in der Eifel. Aber das war sehr nett!

Das ist Hamburg:

Und das ist Köln:

Das ist Lykka mit unserem Geburtstagsgeschenk:

My Dad’s Place:

Das könnte mein Winterprojekt werden:

Und die sollte man so lassen wir sie ist:

Inside the House:

Mein neues Team (ja, ich gehe nun wieder täglicher regelmäßiiger Arbeit nach):

Und je nach dem in welchem Büro ich sitze ist das hier mein Frühstücks-”raum”

Auf eine hübsche neue Woche ohne Nachtschicht ;-)

best

capitan*

1:40

Die Kiste bei Minute 1:40 will ich haben.

Invader x Rubikcubism

Invader x Rubikcubism | Other | Gear.

Cool.

Amazing

Ich steh ja nicht so auf Tennix, aber die Nummer kann was:

CARACHO

Yeah!

Blog Archive » Laurent Nivalle

Outstanding shots by French photographer Laurent Nivalle from the 2010 Le Mans Classic.

FormFiftyFive – Design inspiration from around the world » Blog Archive » Laurent Nivalle.

Marco Polo

Ich will was gewinnen! Und damit meine Chencen steigen poste ich das hier:

Schon gesehen? MARCO POLO hat eine tolle neue iPad App für Berlin rausgebracht – mit vielen nützlichen Tipps und Features für einen Trip in die Hauptstadt! Hier iPad App ansehen & downloaden

ABER: Die Seite ist wirklich gut. Nur mal so am Rande… ;-)

Olly Moss’ 2010 Poster Series

Olly Moss’ 2010 Rolling Roadshow Poster Series

viaOMG Posters! » Archive » Olly Moss’ 2010 Rolling Roadshow Poster Series.

Toll, was man mit zwei/drei Farben alles machen kann. Weniger ist mehr!

TIGER

Tiger Trailer by Beaufort from Beaufort on Vimeo.

Klaus Lemke, interviewt von Peter Unfried. taz, 27.11.2007

ok, das Interview ist etwas lang. Aber es lohnt sich. Wir haben ROCKER letzte Woche im Millerntor mit ca. 100 völlig durchgeknallten Rockern und solchen die es mal werden wollten gesehen. Es war sehr lustig und wenn man hier lebt, sollte man den Film mal gesehen haben. Auch wenn definitiv zu wenig Hamburg darin zu sehen ist. Aber der Kiez sieht einfach nur gut aus. Das war mal eher ein großer Platz als das was es heute ist. BTW: Wenn man Wege verengt muss man sich nicht wundern, wenn 50.000 Besucher jedes Wochenende eine gewisse Agression ausstrahlen. Das ist wie mit Flüßen, je mehr begrandigung, desto mehr Hochwasser. Laßt den Dingen ihren Lauf und es läuft. Wetten?!


Klaus Lemke, interviewt von Peter Unfried. taz, 27.11.2007.

taz: Unsere Leser wollen immer wissen, ob die Revolution vielleicht doch noch kommt, Herr Lemke.
Klaus Lemke: Sag deinen Lesern, entweder ist ihre Frau die Revolution, oder es gibt keine. Das ist die einzige Revolution, die übrig bleibt.
taz: Die bisherige Frau oder eine neue Frau?
Klaus Lemke: Das ganze Problem des Lebens besteht darin, dass man die Frau fürs Leben nicht nur einmal trifft. Dann gehts los.
taz: Das ist Revolution?
Klaus Lemke: Also, ich mache Filme. Insbesondere Mädchenfilme. Weil ich das wirklich sichere Gefühl habe, dass gerade die Mädchen aus dieser rigiden weiblichen Selbstinszenierung ausbrechen wollen. Die Mädchen sind ja selber schuld, dass sie in die Falle reinlaufen, aber sie haben ein Gespür dafür, dass das unbefriedigend ist. Und um aus dieser Falle rauszukommen, bedarf es keines Frauenverstehers, sondern eines Bösen.
taz: Warum?
Klaus Lemke: Das ist die Botschaft meiner Filme, und das ist auch das, was ich zu sagen habe. Es gibt nur einen Weg, wirklich am Leben teilzunehmen für ein Mädchen. Sie müssen im Bett Freiwild für ihren Partner sein und im Leben das Fegefeuer. Nicht umgekehrt. Das ist das Verwirrende. Es geht nicht auf nett.
taz: Wie verträgt sich das mit Job, Kindern, Karriere?
Klaus Lemke: Du darfst da nicht weiterfragen. Sonst machst du auch den ursprünglichen Stachel kaputt, der in dieser Formulierung liegt.
taz: Was ist der Unterschied zwischen Mädchen und Frau?
Klaus Lemke: Wohin die Augen eines Mädchens gehen, dahin folgt auch bald ihr Herz. Drei von zwei Frauen sind irgendwie beängstigend, irgendwie sexy, und irgendwie von Reue vergiftet. Und sehr mißbrauchsanfällig. Bitte jetzt keine Leserbriefe.
taz: Angela Merkel wurde von Kohl Mädchen genannt. Sie ist definitiv nicht der Strohmann ihres Mannes.
Klaus Lemke: Diese Angela Merkel hat das Genie, auch aus ihren Schwächen Stärken zu machen.
taz: Also das Gegenteil einer normalen Frau?
Klaus Lemke: Genau das Gegenteil. Aber das liegt auch daran, dass ihr irgendwer mal gesagt hat, wie sie mit Leuten reden soll. Nämlich so, wie sie immer zu ihrem Mann redet. Seitdem hört man ihr gerne zu. Seitdem hat man das Gefühl, dass sie kompetent ist auf Gebieten, auf denen sie gar nicht kompetent sein kann. Wenn der Tonfall richtig ist, dann glaubt man auch, dass die Person Recht hat.
taz: Was ist der Unterschied zwischen Ihrer aktuellen Hauptdarstellerin Saralisa Volm und Iris Berben, Ira Fürstenberg, Sylvie Winter, die Sie in den 60ern entdeckt haben?
Klaus Lemke: Die Mädchen früher sind genau wie die Mädchen heute immer von einer Katastrophe in die nächste gerutscht. Das ist das Schicksal des Lebens. Aber heute versucht man, die Katastrophe noch größer zu machen. Noch mehr Schuld auf sich zu laden. Um endlich da rauszukommen. Etwas richtig machen wollen, führt einen in die Hölle.
taz: Wo ist die Befreiung?
Klaus Lemke: Befreiung ist Amy Winehouse, die nicht zu “Wetten, dass…?” kommt. Das ist Revolution. Ein Mädchen, das jahrelang gedrillt wird, ein Popstar zu werden, fängt plötzlich an, Drogen zu nehmen. Und da klappt es.
taz: Ist das nicht bloß eine weitere Inszenierung?
Klaus Lemke: Drogen sind greedy. Die fressen dir erst dein Lächeln, dann deine Gesundheit, und dann bist du froh, wenn du stirbst. Aber das ist wenigstens irgend was, auf das man sich verlassen kann. Das kann man nicht postmodern wegreden, das ist sicher. Die Selbstzerstörung, die sonst in ganz kleinen Portionen betrieben wird im Leben, die wird hier in zwei Jahren gemacht. Das ist modern. Das ist Absturz. Mein nächster Film heißt “Absturz in Miami”.
taz: Warum ausgerechnet Miami?
Klaus Lemke: Weil Miami des Himmels Hölle ist, ganz einfach. Saralisa Volm ist ein deutsches Model, das da rübergeht und in eine Reichen-Sex-Szene reingerät. Die erlebt plötzlich wirklich dieses Übermaß an Koks und an kinky Sex und an Reichtum, an all dem, was Gala in kleinen Portionen verteilt. Und das lässt die gänzlich traumatisiert zurück. Dennoch findet sie zu sich selbst dabei, denn sie…
taz: … sie lebt richtig?
Klaus Lemke: So was darf man überhaupt nicht sagen, aber …
taz: … sie ist weniger entfremdet?
Klaus Lemke: Klar, aber das ist eine Sprache, die so überhaupt nicht mehr stimmt. All diese gescheiten Formulierungen sind immer ein Tritt gegen das eigene Leben. Je intelligenter man ist, desto dicker sind die Fußtritte, die man sich selbst beibringt.
taz: Sie waren noch nie ein Freund der Intellektuellen.
Klaus Lemke: Um etwas verstehen zu können, muss man ein ganz klein wenig Teil dessen werden. In der Feinstruktur musst du genetisch etwas annehmen und so werden wie etwas. Die Intellektuellen sind Leute, die am Rande der Tanzfläche stehen und so tun, als könnten sie jede bumsen. Können sie aber nicht. Denn sie können ja nicht mal tanzen. Geschweige denn bumsen.
taz: Gibt es Ihre Mädchen überhaupt oder ist das wie bei Hölderlin und Novalis?
Klaus Lemke: Also, wenn ich durch Berlin laufe, frage ich mich auch ab und zu, ob es Mädchen überhaupt noch gibt oder ob das so eine Fantasie war des letzten Jahrtausends. Bei den meisten Mädchen hat man das Gefühl, das sind die Strohmänner der Jungs. Die meisten Mädchen empfinden sich auch so.
taz: Wie redet man mit einem Mädchen, das 25 ist?
IKlaus Lemke: ch nehme gar keine Rücksicht darauf, was eine 25-Jährige denkt. Das ist mir völlig egal. Die ist genauso doof wie ich.
taz: Ist das der Trick? Dass die andere genauso doof ist wie man selber?
Klaus Lemke: Das ist immerhin sehr viel besser, als wenn man Mädchen für irgend was mag, was sie gar nicht sind. Also dumm sind sie in jedem Fall. So wie wir. Hilflose Deppen. So wie wir. Mädchen sind alle die Hölle. Aber das ist das Beste überhaupt, dass man da durch muss.
taz: Warum muss man da durch?
Klaus Lemke: Durch was soll man denn sonst durch? Durch immer neue Gehaltssteigerungen oder von der taz zum Spiegel wechseln oder von hier nach Hollywood? Irgendwann kriegt man doch die Idee, dass man sich auch mit anderem beschäftigen sollte. Wenn es diese Leute nicht gäbe, würde keiner Rundfunkgebühren zahlen, und ich könnte keine Filme mehr machen.
taz: Das ist eine ausweichende Antwort.
Klaus Lemke: Ist es nicht. So war das immer. In “Undercover Ibiza” geht es um einen 67-jährigen Oberst a. D. Den spiele ich. Der tut so, als würde er seinen Sohn aus dem Sumpf von Ibiza-Drogen retten. In Wirklichkeit will er nur dessen Freundinnen ficken. Und das klappt.
taz: Ein Oberst a. D., der die Freundin seines Sohnes verführt? Das werden manche als moralisch fragwürdig und vor allem peinlich empfinden.
Klaus Lemke: Den Leuten ist alles peinlich, den ganzen Tag. Die Leute haben so viel Angst, dass sie sich blamieren. Es gibt keine Erlösung, außer dem Bösen.
taz: Was heißt das?
Klaus Lemke: Du musst genau das machen, was du eigentlich willst. Darum geht es. Niemand sollte das Vorbild für jemand anders sein, jeder sollte das entdecken, was er am meisten an sich schätzt. Alles andere ist Bioimperialismus.
taz: Stringend argumentiert.
Klaus Lemke: Ich besetze Sachen wieder positiv, weil ich das auch so empfinde. Ich gebe den Leuten einen anderen Geschmack für ihr Leben. Mein letzter Film “Finale” …
taz: … der während der WM 2006 spielt.
Klaus Lemke: Der wurde verkauft als Sexfilm. Aber es geht darum, dass die Leute ein neues Gefühl für ihr Leben bekommen und das kann nur durch Verführung entstehen. Es hat doch so lange gedauert, bis man endlich kapiert hat, dass Worte und Bilder nur die Power haben, die man ihnen gibt. Nun kommt schon wieder das nächste Ding, mit dem die Leute überrumpelt werden, das ist die Klimakatastrophe. Die Leute kommen weder mit ihren Frauen zurecht noch mit ihren Kindern, doch die Welt wollen sie erretten. Und jetzt sind sie am Arsch gepackt.
taz: Warum sind die am Arsch gepackt?
Klaus Lemke: Alle Menschen leben auf der Suche nach etwas, das größer ist als sie selbst, aber dennoch aus ihnen kommt. Alle zehn Jahre wird etwas erfunden. Das ist einmal das Internet und das nächste Mal ist das die Klimakatastrophe. Zwar hat man immer im Hinterkopf, dass alles Markt ist, aber man glaubt, dass das Internet nicht Markt ist und dass die Klimakatastrophe in keinem Fall Markt sein kann. Die Klimakatastrophe ist Markt schlechthin.
taz: Eine Lebenshoffnung ist es, dazuzulernen und etwas mit dem Gelernten und Erfahrenen anfangen zu können.
Klaus Lemke: Ich bitte dich. Noch nie hat jemand was dazugelernt. Selbst Jesus Christus nicht. Es gibt keine Entwicklung. Es ist immer der selbe Tag, den man erlebt. Eine Person ist keine Pflanze, die sich entfaltet im Alter und irgendwie mehr Realität greifen kann oder Selbstverständnis. Die Katastrophe wird immer dicker. Wer das nicht kapiert, hat nichts kapiert.
taz: Das klingt sehr negativ.
Klaus Lemke: Ich bin der Meinung: Jeder sollte reiche Eltern haben und jedes Mädchen einen großen Busen. Ist aber nicht so.
taz: Sehen wir das Alter positiv: Die Kinder sind aus dem Haus, die Eltern gestorben, die Karriere ist abgehakt. Jetzt hat man den Kopf frei und die Zeit, gute Sachen zu machen. Was macht man?
Klaus Lemke: Man kann da nichts mehr machen. Dem Alkohol verfallen, Porno sehen, Drogen nehmen. Fußballfan sein. Hooligan. Und eben Sex-Hooligan. Mehr gibts nicht. Auch Goethe hat im Alter nichts dazugelernt.
taz: Was ist mit einem Ehrenamt?
Klaus Lemke: Nö, nö. Jeder soll sein Ding machen. Aber nur ein Schlag aufs Maul hilft im Leben. Das erzähle ich in meinen Filmen immer wieder. Das ist mir in meinem ganzen Leben so gegangen. Ich habe nicht das Geringste gelernt aus Büchern. Es muss ein paar aufs Maul geben. Wenns nicht blutet, bleibts Papier.
taz: Man erlangt keine geistige Reife?
Klaus Lemke: Man wird wie Geschirr, das zusammenpasst. Das ist Reife. Und das ist das Allerletzte. Deswegen muss man das Geschirr an die Wand werfen bei Gelegenheit. Deshalb sind Frauen uns ein bisschen voraus. In Wirklichkeit leben all diese Frauen, die so tun, als würden sie in einer gebändigten Welt leben, von einer Katastrophe in die nächste und schämen sich auch noch dafür. Das ist das modernste Gefühl, das es gibt überhaupt.
taz: Warum schämen sie sich eigentlich dauernd?
Klaus Lemke: Weil sie immer wieder lesen, dass andere Frauen das so gut hinbekommen. Aber das ist alles gelogen. Alles, was über Schauspieler irgendwo steht, ist auch gelogen. Es ist ein Knochenjob, ein bösartiger Job. Es ist grausam, sein ganzes Leben auf Regisseure hören zu müssen. Es gibt nichts Peinlicheres, als Filme zu drehen. Der ganze Aufwand ist vollkommen unnütz.
taz: Sie selbst drehen seit Jahren jenseits konventioneller Strukturen mit minimalem Team und niemals mit Profi-Schauspielern. Warum?
Klaus Lemke: Deutsche Schauspieler sind das sichtbare Ergebnis der in allen Künsten aktuellen Erziehung zur Harmlosigkeit. Style kommt eben nicht mit der Post. Nimm dagegen “Finale”. Der Film scheint gar nichts zu erzählen, aber plötzlich erzählt Saralisa eine Geschichte, obwohl sie gar nicht redet. Alles live – das ist nicht gespielt. Sie ist so. Darum geht es: Absichtslos sein, damit das Publikum seine Gefühle in die Gesichter reintun kann. Film ist – dass man etwas spürt, lange bevor mans sieht oder erklärt bekommt. Schau dir Russell Crowe in “American Gangster” an. Etwas spielen ist fünfzig Jahre zu spät.
taz: Den deutschen Film schätzen Sie nicht.
Klaus Lemke: Der deutsche Film existiert gar nicht. Er wird gemacht von der Generation „Schöner losen“. Er muss raus aus diesem Gefängnis. Für Amerikaner ist staatliche Filmförderung ein Relikt aus faschistischen Zeiten. Jack Valenti hat gelegentlich dagegen protestiert. Aber davon hört man schon lange nichts mehr. Die haben längst kapiert, dass staatliche Filmförderung das Ding ist, mit dem sich die Europäer freiwillig verzwergen und so nie eine Konkurrenz für Hollywood werden können.
taz: Sie sind seit langem gegen Filmförderung.
Klaus Lemke: Jeder einzige, noch so altbackene Hollywoodfilm ist subversiver als 90 Prozent aller deutschen Filme eines Jahrgangs zusammen. Weil deutsche Filme an Gefühle appellieren, die weder das Publikum noch die Macher selbst haben – die aber bei den geldverteilenden Förderanstalten vermutet werden. Die gefühlten Zwänge der Anstalten sind zuallererst Verkrampfungen in den Köpfen der Antragsteller. Hast du “American Gangster” gesehen?
taz: Nein.
Klaus Lemke: Deswegen ist Film so eine geile Sache. Tatsächlich ist es so, dass ich nur ins Kino gehe, um zwei Stunden in “American Gangster” langsam so reinzufließen und dann noch eine halbe Stunde so denke und rede wie die. Das ist das, warum Kino nie untergehen wird. Dass man mal eine Sekunde nicht über die Lohnsteuer nachdenkt. Der Film breitet die Arme um seinen Zuseher aus. Das ist Verzauberung, auf die kommt es an.
taz: Romantik?
Klaus Lemke: Das ist nicht Romantik. Das ist Voodoo, Cowboy.
taz: Ich hätte nicht gedacht, dass man das Wort “Cowboy” aussprechen kann, ohne dass es prätentiös und unecht klingt.
Klaus Lemke: Doch, das kann man. Die entscheidende Sache im Leben ist, dass man sich daraus, was einem am schwersten fällt, die größte Leichtigkeit holt. Das ist Voodoo. Wenn einem der Umgang mit Mädchen wirklich schwerfällt, dann muss man sich seine Leichtigkeit daher holen.
taz: Bleibt das nicht gespielt?
Klaus Lemke: Nein! Nur das, wovor man Angst hat, kann einen befreien. Man verdient sein Unglück, wenn man etwas will und alles dafür tut, dass man es nicht kriegt. Man wird nicht reif im Leben, und da ist es vollkommen egal, ob man die taz oder die Bild-Zeitung liest.
taz: Grade las ich, dass mittelalte Menschen zu Rock-Bands wie Led Zeppelin gehen, die sie damals nicht gehört haben, weil sie zu jung waren, um die Wehmut nach Zeiten zu spüren, die man selbst nicht erlebt hat. Das gilt wohl auch für die Beschäftigung mit 1968.
Klaus Lemke: Klaus Lemke: Das war der einzig gute Satz von dem ganzen Interview. Sag den nochmal.
taz: Kann ich nicht.
Klaus Lemke: Aber du liegst richtig. Es gab das nicht zu erleben. Das war virtuell. Das ist das, was ich das Gruner+Jahr-Retrogefängnis nenne. 1968 gibts gar nicht. Das ist eine Erfindung des Stern.
taz: Und im Moment …
Klaus Lemke: … drehen sie selbst noch mal eine Runde. Es ist bombig geschrieben, es hat aber nichts zu tun mit irgendeiner Realität, außer der Stern-Realität.
taz: Deren Kern war: Sexuelle Befreiung und Nacktfotos. Uschi Obermaier.
Klaus Lemke: Das hat nie jemand ernst genommen, Obermaier und dieser Witzbold da, der immer für ein Mädchen gehalten wurde. Aber dummerweise hatten die anderen auch nichts anderes im Kopf. Wir hatten alle nichts anderes im Kopf außer Autos und Mädchen.
taz: Was ist mit Vietnamkrieg-Protest, Räterepublik, Feminismus und der Verdrängung?
Klaus Lemke: Vieles war einfach ein Fake, ein Ersatzkrieg, weil wir mit unseren Vätern nicht klargekommen sind und uns an der Nazivergangenheit schuldig fühlten. Das mussten wir wieder loswerden. Das haben wir mit Filmen geschafft und die anderen mit Bomben. Deshalb haben sich die Baaders Vietnam ausgesucht. Die wussten noch nicht mal, wo das liegt. Die haben kein Wort von dem verstanden, was Adorno erzählte. Null. Die haben in einer ganz anderen Alkoholwelt gelebt. Die haben dort den Krieg geführt, den sie sich nicht getraut haben, gegen ihre Eltern zu führen, so wie wir uns damals auch nicht getraut haben. Wir haben den amerikanischen Film vorgeschoben. Andreas Baader und die ganze Mannschaft, die wollten eigentlich auch zum Film. Aber Baader hatte so einen unmöglichen Akzent.
taz: Am 2. April 1968 zündeten die späteren RAF-Anführer Baader und Ensslin sowie Proll und Söhnlein in Frankfurt ein Warenhaus an, um gegen den Vietnamkrieg der USA zu protestieren. Sie drehten 1969 den Film dazu: “Brandstifter”.
Klaus Lemke: Der Film entspricht genau dem, was ich damals gefühlt habe: Das ist alles nur Quatsch, was die reden. So ist dieser Film auch. Quatschköppe, die die Welt retten wollten, aber mit ihrer eigenen Freundin nicht zurechtkamen, weil sie noch nicht mal eine hatten. Ich war ja auch mit diesen Leuten den ganzen Tag zusammen. Ich konnte gar nichts anderes drehen als das.
taz: Man konnte die nicht ernst nehmen aus der Nahdistanz?
Klaus Lemke: Wenn man nah dran war, konnte man ja auch uns nicht ernst nehmen, wir hatten die Vorstellung, dass wir es schaffen würden, mit einem Kurzfilm nach Hollywood zu kommen. Mein erster Film heißt “48 Stunden bis Acapulco”. Ich wusste nicht mal, wo Acapulco liegt.
taz: Acapulco war einfach ein Sehnsuchtsort?
Klaus Lemke: Klar. Wir waren größenwahnsinnige Spinner, und die auch. In Wirklichkeit hat Baader nur Autos gewollt. Und Mädchen. Selbstverständlich wurden nach den Kaufhausbrandstiftungen aus diesen spießigen Kleinbürgersöhnen richtige Banditen. Die Spielerei war zu Ende. Danach begann was Neues. Ich habe die danach auch nie wieder gesehen außer Horst Söhnlein und Baader gelegentlich, wenn er Geld von mir wollte.
taz: … der wollte ein Copyright für „Brandstifter“ einfordern?
Klaus Lemke: Ja, aber der wollte auch das Geld. Das hatte ich natürlich längst ausgegeben. Das einzig Gute an der damaligen Zeit war, dass es einen freieren Umgang mit Drogen gab. Dass alle Leute auf LSD waren, den ganzen Tag. Und dass sie immer noch am Leben sind. Und da sind genauso viele umgekommen, wie immer umkommen bei Drogen. Damals gab es aber ein anderes Verhältnis dazu. Ich will auch gar nicht, dass das wieder da ist. Das ist das Einzige, was übrig bleibt. Das Schlimmste an unserer Generation sind die 68er. Das Allerschlimmste, was je angerichtet wurde.
taz: Was ist mit der sexuellen Befreiung der Gesellschaft?
Klaus Lemke: Ich war damals in der Haifischkommune. Da hat nie jemand jemand gebumst. Das war überhaupt gar nicht drin.
taz: Und in der Kommune 1?
Klaus Lemke: Da hättest du mal sein sollen. Da hättest du in zehn Jahren keinen hochgekriegt. Schon optisch war das die Hölle. Sex kann nur absichtslos passieren. Sonst isses kein Sex, sonst isses Romantik.
taz: Welche Mädchen waren denn angesagt, wenn nicht Obermaier?
Klaus Lemke: Die Mädchen, um die es ging, waren Sylvie Winter und Claudia Littmann, die Tochter des Polizeipräsidenten in Frankfurt. Die Littmann war sehr prominent und die Winter…
taz: … Ihre zeitweilige Muse und Hauptdarstellerin
Klaus Lemke: … war das schönste Mädchen der Zeit, als erste nackt auf dem Stern-Cover.
taz: Und die Jungs waren verspannt und brachten es nicht?
Klaus Lemke: Die Mädchen waren immer sehr begeistert von ihrem Sexleben mit Cohn-Bendit. Das war ziemlich der Einzige. Von Dutschke hab ich so was nie gehört.
taz: Ist das das historische Verdienst von Daniel Cohn-Bendit?
Klaus Lemke: Es hebt ihn zumindest weit heraus aus der Szene von damals. Die meisten Jungs hatten nichts anderes als die Revolution. Die ganze RAF ging damit los, dass Fassbinder, der kleine süße Schwule, der überhaupt nicht schwul war, als er Geld verdient hat, das Geld in Stingray Corvettes reingesteckt hat. Diese Stingrays hat er dann gegen die Mauer gefahren. Das war top schwul damals. Bevor Arschficken kam.
taz: Heute hassen die Kinder ihre Eltern nicht mehr, ist das Fortschritt?
Klaus Lemke: Die Kinder nehmen ihre Eltern nicht mehr ernst. Man muss irgendwen haben, gegen den man ist. Wir hatten das zum Glück noch. Wir hatten unsere Eltern, die glücklich waren in der Adenauer-Ära. Unglaublich spießiges Gefängnis, in dem die da gelebt haben. Da irgendwie rauskommen, um in das nächste reinzukommen, in das noch dickere Gefängnis, das ist die Lebensleistung der 68er. So Interviews wie ich sollte man nicht geben.
taz: Warum nicht?
Klaus Lemke: Ein gutes Interview muss sein wie Kino: Etwas im Leser muss die Arme ausbreiten. Man darf seine Liebe nicht wie Ohrfeigen verteilen.
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